De Dalles (Goldoni / Zill), Komödie, 2017, Gimbacher Hof Kelkheim (Freilicht)
nach Carlo Goldonis Komödie „Il Campiello“
bearbeitet, ins Hessische übersetzt und inszeniert von Volker Zill
eine Freililichttheaterproduktion von theater domino 2017
Volker Zill führte Regie und kann jetzt ganz entspannt zuschauen
Als ich den Innenhof des Gimbacher Hofs zum ersten Mal betrat, wusste ich:
Hier, genau an diesem Ort, müssen wir den „Dalles“ spielen. Und des mache mer jetzt werkklisch. Wie schee! Mein Dalles-Lieblingssatz: „Wann isch nochema mitkrieh, dass de maan Verlobte in dei Kammer enei lässt, dann zerr isch disch eischenhändisch enunner an die Bach un dunk dei unschuldisch Köppsche so lang unner Wasser, dass de jed Forell persönlisch von mir grüße kannst!“
Übers Stück
Gimbach, ein kleines hessisches Dörfchen vor 200 Jahren. In der Dorfmitte ein Platz: der Dalles. Hier trifft man sich, hier schwätzt, handelt und streitet man herzhaft miteinander. Ganz einfache Leute leben hier, unter anderem drei schon etwas in die Jahre gekommene, allesamt alleinerziehende Weibsbilder, die ihre Kinder möglichst bald und möglichst gut verheiraten wollen. Als sich ganz unerwartet ein vornehmer und offensichtlich lediger Herr im dörflichen Gasthof einquartiert, sehen die betagten Dorfbewohnerinnen ihre Chance gekommen, aus der Armut und Tristesse ihres dörflichen Lebens zu entkommen. Ohne Rücksicht auf Verluste wird mit allen Mitteln um die Gunst des adligen Herrn gebuhlt. Derweil haben die halbwüchsigen Töchter und Söhne ganz andere Pläne …
Die hessische Fassung des Komödienklassikers „Il Campiello“ von Carlo Goldoni. Exklusiv arrangiert für die Freilichtaufführungen auf dem Gimbacher Hof.
Das schreibt die Presse:
Gelungene Liaison mit dem Gimbi
(von Robin Kunze) Warum ist bisher eigentlich keiner auf die Idee gekommen, das idyllische Ambiente des Gimbacher Hofs als Freiluftbühne zu nutzen? Regisseur Volker Zill und das theater domino wagten den Versuch mit einer passenden hessischen Goldoni-Adaption.
Wenn man dem Begleitheft zum Stück „de Dalles“ – so der Titel des neusten Werks der Theatergruppe domino – Glauben schenken darf, dann war es Liebe auf den ersten Blick. Als Regisseur Volker Zill den Innenhof des Gimbacher Hofes zum ersten Mal betrat, da habe er sofort gewusst, dass genau dort der „Dalles“ gespielt werden muss. Einem erfahrenen Bühnenveteranen wie Zill mag man durchaus das geschulte Auge für ansprechende Inszenierungen zutrauen, andererseits ist es schon verwunderlich, warum bisher niemand auf die Idee gekommen ist, den wunderschönen Innenhof zur Bühne zu machen.
„Die Location passt einfach und ich glaube, der Gimbi ist auch ein Grund dafür, dass der Vorverkauf so gut wie noch nie lief“, erklärte der Regisseur vor der Premiere. In kürzester Zeit waren die vier ursprünglich angesetzten Vorführungen ausverkauft, weswegen man kurzerhand zwei zusätzliche Termine ansetzte.
Uriges Mundart-Theater
Jeder, der etwas für uriges Mundart-Theater übrig hat, der sollte sich möglichst schnell um eine Karte für den 19. oder 20. August bemühen – oder am besten gleich für beide Zusatzaufführungen. Auf dem „Dalles“ ist nämlich so viel los, dass man auch beim zweiten Besuch durchaus noch etwas Neues entdecken kann. Das liegt an der Art der Inszenierung: Der Innenhof als Dorfplatz ist zentraler Schauplatz, doch immer wieder spielen sich kleine Geschichten an den Fenstern und Balkonen des Gimbacher Hofes ab. Das Stück basiert auf dem Werk „Il campiello“ (Kleiner Hof) von Carlo Goldoni. In der Ur-Fassung spielt sich das Geschehen um die Irrungen und Wirrungen der Liebe und die Suche nach dem passenden Ehepartner auf einer venezianischen Piazza Mitte des 18. Jahrhunderts ab.
Ein Geniestreich
Volker Zill verlegte das Treiben nach Gimbach Anfang des 19. Jahrhunderts und ließ seine Figuren hessisch „babbeln“. Das erwies sich nun bei der Premiere als echter Geniestreich, denn durch den Dialekt kommen die schrulligen Charaktere noch besser zur Geltung. Allen voran Christine Tannert und Andrea Huck als die rüstigen und leicht verschrobenen Bäuerinnen „Frau Magodd“ und „Frau Käthe“ ernteten zahlreiche Lacher und dienten als Triebfeder des Schauspiels.
Doch auch das weitere Ensemble muss genannt werden, da jeder einzelne Darsteller seiner jeweiligen Rolle Charakter verlieh. Ob Robin Sommer als das unbedarfte „Hänsje“, Caroline Bockhard als die Unschuld vom Lande „Liesje“, Susanne Kaross als das rustikale „Sabinche“, Johanna Seifert als aufgeplusterte „Helena Stolz und Würde“, Nico Gauer als der dekadenter Dandy „Herrn von Ritter“, Tobias Rudolph als ungezügelter „Schorsch“ oder Irina Schiller als tatterige „Müllerin“ – sie alle füllen ihre Bühnenpersona mit Witz, Charme und Leben.
Optischer Höhepunkt
Uwe Fröhlich Gabra und Dirk Zill haben zwar im Vergleich zu den Kollegen weniger Bühnenzeit, sind dafür aber gerade optisch Highlights. Wie genau sich die beiden Herren der Schöpfung präsentieren, sollte jeder selbst erleben. Die Aufführung „De Dalles“ bekommt auf jeden Fall eine uneingeschränkte Empfehlung.
Höchster Kreisblatt vom 30.06.2017
Bildergalerie (zur Vollbild-Ansicht oder Dia-Show auf ein Foto klicken)